Broschürenreihe Denkmalpflege in Niederösterreich
Band 64 "Mühlen"
Seite 32 - 34
zur archäologischen Untersuchung der ehemaligen Wassermühle Michelstetten
Auszüge aus dem Bericht der Firma Novetus GmbH
Michelstetten wurde bereits 1128 mit der Gründung der Pfarre erwähnt. In jener Zeit ist auch der Ritter Ernst von Michelstetten (Ernestus nomine de Michelensteten) bekannt. Die Kirche, ursprünglich eine Privatkirche der Herrschaft, geht ebenfalls auf das Hochmittelalter (12./frühes 13. Jahrhundert) zurück.
Auch wenn bislang keine Nennungen der Mühle aus dieser Zeit bekannt sind, ist es sehr wahrscheinlich, dass sie bereits Teil des frühen Dorfes war. Ihr Standort unmittelbar neben der Kirche und die zentrale Lage am (Mühl)Bach lassen vermuten, dass sich die erste Anlage auch im Mittelalter an der jetzigen Stelle befand und als Herrschaftsmühle (Monopol der Herrschaft) fungierte.
Der Mühlbach geht auf einen Wildbach zurück, der im Mittelalter adaptiert und kanalisiert wurde, um eine brauchbare Strömung zu garantieren. Das Gefälle des Geländes lässt annehmen, dass die Wasserräder oberschlächtig waren (d.h. Wasser rann von oben auf das Rad hinab).
Da sich das Mühlrad im Bach befunden haben muss, kann die Maschinerie nicht innerhalb des heute erhalten Gebäudes liegen, sondern in dessen äußerem Südbereich.
Die mittelalterliche Mühle ist heute nicht gänzlich verschollen, denn der ältere, westliche Teil der Mauer an der Nordseite des Mühlbachs ist spätmittelalterlich.
Die Mühle wird erstmals, jedenfalls in den dem Verfasser zur Verfügung stehenden Quellen, in einem Steuerverzeichnis 1661 genannt. Sie war damals Herrschaftsmühle des Grafen Polheim.
Die Mühle soll (nach Heimatforscher Johannes Bernold) vier Mahlgänge (Räder) besessen haben. Westlich der Kirche (Grundstücke 2218/10, 2218/11, 2218/12) gab es früher einen Teich, der als Stauwehr diente um die Strömung zu regulieren.
--------
Bei der Ausgrabung im April und Mai des Jahres 2020 durch die Firma Novetus GmbH wurden die Mauerreste der alten, örtlichen Mühle dokumentiert, die sich nur wenige Meter hangabwärts der Michelstettner Wehrkirche befand.
Die dokumentierten Mauern datieren vom Spätmittelalter bis in das 19. Jahrhundert und waren Teil der, mehrere Mühlgänge umfassenden, Wassermühle. Angetrieben wurden die Mühlräder durch den regulierten Mühlbach, der hangabwärts geleitet wurde und dem Ort noch heute Trinkwasser liefert.
Das dichte und komplexe Mauerwerk belegt eine lange Nutzung der Mühle mit vielen Ausbesserungsphasen, Um- und Zubauten. Durch eine auffallend ausgebrochene Stelle in einer der massivsten Mauern, die als Grindelöffnung interpretiert wurde, kann die Position eines Mühlrades rekonstruiert werden.
Die in Schnitt 1 dokumentierten Mauern stellten sich als Reste eines Unterbaus für einen Gänsestall und als Reste eines nach außen reichenden Backofens heraus, die beide noch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts bestanden.
Das Fundspektrum lässt eine Entstehung der Mühle in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts sehr wahrscheinlich erscheinen und belegt eine Nutzung bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts.
vollständiger Bericht 1 außen Bericht 2 innen
-------------------------------------------------------------------------
Kommentare
Kommentar veröffentlichen